Das neue Wirtschaftswunder Wiederholt sich die Geschichte? ![]() Lautet das Szenario für die aktuelle Entwicklung der Schwellenländer „Zurück in die Zukunft“? Kann man sich die 50er und 60er in Deutschland einfach als Muster für die künftige Aufholjagd vieler Nationen in Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa vorstellen? Tendenziell ja, wenn man emotional verstehen will, was diese Wirtschaftsregionen antreibt: Da sehen Milliarden von Menschen heute ihre Chance, mehr Anteil am Wohlstand zu erhalten. Und wie die Deutschen in den 50ern sind sie bereit, sich für dieses Ziel auch mit ihrer ganzen Leistungsfähigkeit einzubringen. Differenzierter muss man das Bild bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betrachten: Die Kategorie „Schwellenland“ selbst umfasst Volkswirtschaften, die sich strukturell durchaus unterscheiden. Doch in der Summe lässt sich sagen: Wir stehen in den Emerging Markets vor einer Entwicklung, die das deutsche Wirtschaftswunder bei Weitem in den Schatten stellen wird – denn wir reden nicht vom (Wieder-) Aufstieg eines einzelnen Landes. Es geht um einen radikalen Wandel der Wirtschaftswelt, wie wir sie seit 50 Jahren kennen. Folgerichtig werden Anleger auch eine neue Perspektive auf Anlagemärkte in allen Kontinenten der Welt gewinnen. Der Nachholbedarf markiert das Ziel Pro Kopf liegt das Bruttoinlandsprodukt Chinas bei einem Zehntel dessen, was wir in Deutschland, Frankreich, Japan oder den USA sehen. Indien liegt deutlich weiter zurück, Russland und Brasilien sind nicht weit voraus. Eine Lücke, die den Weg aufzeigt, den Schwellenländer noch vor sich haben, und das Potenzial für Anleger, die den Weg mit ihren Investments begleiten. Schon heute leben knapp zwei Drittel der Weltbevölkerung (65 %) in den Emerging Markets. Bis 2050, so schätzt die Weltbank, wird ihr Anteil auf weit über 80 % angewachsen sein. Nach Angaben des Wirtschaftsdienstes Reuters EcoWin (2009) erzielen diese Menschen in Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa bereits gegenwärtig knapp die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums. Laut Weltwährungsfonds waren noch vor 20 Jahren 70 % des Wirtschaftswachstums aus den Industrieländen gekommen. Verabschieden wir uns dabei von dem Bild der Heerscharen billiger Arbeitskräfte, die rund um den Globus an den Werkbänken der Welt arbeiten: Auf allen Kontinenten sehen wir junge aufstrebende, bildungshungrige Menschen, die immer höhere Ansprüche an Leistung einlösen und immer höhere Ansprüche an Lebensstandard und Konsum stellen. Viele der Emerging Markets investieren erhebliche Summen in Bildung und Ausbildung. So gibt gemessen am Bruttoinlandsprodukt Botsuana das Doppelte von Deutschland für die Bildung seiner Bürger aus (brand eins, Welt in Zahlen 2010). Die Städter aus dem Schwellenland Die Urbanisierung der Emerging Markets schreitet rasant voran: Denken wir also nicht mehr an die Hütte auf dem Land, sondern an den Wolkenkratzer in der Stadt. Bei insgesamt riesigem Nachholbedarf gegenüber den Industrienationen sind schon heute 15 der 20 weltweit bevölkerungsreichsten Metropolregionen in Schwellenländern zu finden. Diese langfristige Entwicklung ist eine Größe, an der sich auch ablesen lässt, dass die Arbeitsleistung von immer mehr Menschen vom primären Sektor (der Landwirtschaft) in das produzierende Gewerbe oder den Dienstleistungssektor übergeht. |
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